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Patientenberatung in der KFO: notwendiges Übel oder Chance?
Patientenberatung in der KFO: notwendiges Übel oder Chance?
Von Prof. Dr. Reza Khonsari, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie und Gründer von DR CLIP
Patientenberatung und -aufklärung gehören zu den Kernaufgaben jeder kieferorthopädischen Praxis. Im Alltag werden sie trotzdem oft als Lästigkeit erlebt: Sie kosten Zeit, binden Personal und bestehen zu einem großen Teil aus Erklärungen, die das Team jeden Tag aufs Neue gibt. In diesem Beitrag zeige ich, warum sich der Blick darauf lohnt und wie Praxen die Beratung zu einer echten Stärke machen können.
Warum Beratung häufig als Belastung gilt
Wer in einer KFO-Praxis arbeitet, kennt die Situation: Dieselben Fragen zur festen Zahnspange, zur Pflege oder zum Ablauf der Behandlung kommen immer wieder. Das führt zu Routine und Monotonie, und bei knappem Personal wird jede Erklärung zur Zeitfrage. Gleichzeitig hängt die Qualität der Aufklärung stark davon ab, wer sie gerade übernimmt und wie der Tag bisher verlaufen ist.
Das muss nicht so bleiben. Wenn Praxen über die klassische mündliche Beratung hinausgehen und digitale Werkzeuge einsetzen, wird aus der Pflicht eine Chance.
Wie digitale Patientenaufklärung funktioniert
DR CLIP ist eine webbasierte Software für kieferorthopädische Praxen. Sie läuft ohne Installation auf Computer, Tablet und Smartphone. Das Herzstück ist eine Mediathek mit vertonten 3D-Animationen zu kieferorthopädischen Behandlungen; zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung waren es mehr als 180, heute sind es über 200.
Die Praxis stellt jedem Patienten passende Videos und Informationen zur Verfügung. Der Patient erhält dafür einen eigenen, passwortgeschützten Zugang. Die Videos lassen sich bei der Erstberatung, bei der Planbesprechung oder begleitend während der Therapie einsetzen. Über Schnittstellen ist DR CLIP an die Praxissoftware angebunden, etwa an ivoris. Die Daten werden DSGVO-konform in Deutschland gespeichert.
Sechs Vorteile für Praxis und Patienten
1. Verständliche Informationen. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Animationen erklären die Therapie in leicht verständlicher Sprache und trotzdem fachlich fundiert. Patienten verstehen ihre Behandlungsoptionen besser und können informierte Entscheidungen treffen.
2. Zufriedenere Patienten. Patienten können ihre Informationen jederzeit und überall abrufen. Ein guter Service stärkt das Vertrauen in die Praxis und fördert eine langfristige Beziehung.
3. Bessere Compliance. Wer gut aufgeklärt ist, folgt eher den Empfehlungen seines Kieferorthopäden und beteiligt sich aktiver an der Behandlung. Das kann die Behandlungsergebnisse verbessern und den Ruf der Praxis stärken.
4. Zeit sparen. Pflegeanleitungen und Verhaltenshinweise, zum Beispiel nach dem Einsetzen einer festen Zahnspange, laufen über das Tablet. Das Team muss nicht mehr ständig dieselben Informationen wiederholen und gewinnt Zeit für andere Aufgaben, ohne dass die Betreuung darunter leidet. Besonders effektiv ist es, Patienten schon vor dem Arztgespräch per Video zu informieren: Die Planbesprechung wird kürzer und findet auf höherem Niveau statt.
5. Gleichbleibende Qualität und rechtssichere Dokumentation. Jeder Patient erhält dieselben fundierten Informationen, unabhängig davon, wer berät und in welcher Tagesform. Die Aufklärung wird zudem digital dokumentiert. Das hilft, Haftungsrisiken zu verringern und rechtliche Anforderungen zu erfüllen.
6. Ein Marketing-Werkzeug für die Praxis. Das Praxislogo kann in die Videos eingebunden werden. Patienten zeigen die Clips erfahrungsgemäß auch Familie und Freunden. So wird die Aufklärung zur Empfehlung und hilft, neue Patienten zu gewinnen.
Fazit
Patientenberatung muss kein notwendiges Übel sein. Mit digitaler Unterstützung wird sie effizienter, entlastet das Praxisteam und verbessert den Service für die Patienten. Praxen, die diesen Schritt gehen, steigern die Qualität ihrer Versorgung und heben sich zugleich von anderen Praxen ab.
Dieser Beitrag basiert auf dem Fachartikel "Die Patientenberatung in der KFO - ein notwendiges Übel oder eine Chance?" von Prof. Dr. Reza Khonsari, erschienen in J. Compr. Dentof. Orthod. + Orthop. (COO), Ausgabe 1-2/2023, S. 62-64.